Monday, 11 June 2007

critical response

Die Rätsel der Undine

"The Spy Collective: 'IMINAMI - from mutter to smother'" heißt ein Projekt unter künstlerischer Leitung von Georg Hobmeier in der ARGEkultur. Ähnlich kryptisch, wie der Titel, ist auch die Gesamtperformance (am 6. und 7.6.), die die Zuschauer erwartete.

Von Nic Henseke

11/06/07 Zentrales Thema der Vorstellung ist die Reise durch den Verstand eines weiblichen Wassergeistes. Eine tragische Kreatur, welche dazu verdammt ist, durch eine starke Emotion an diese Welt auch nach ihrem Tode gebunden zu sein. Man erkennt, wie schnell Liebe und freudige Erwartung in ihr Gegenteil umschlagen können.

Auf der anderen Seite liegt der Vorstellung die pantheistische Weltanschauung des Giordano Bruno zu Grunde. Bruno war ein italienischer Philosoph, der den Glauben an ein Jenseits ablehnte und eine "Philosophia perennis et universalis" (eine immerwährende Philosophie) proklamierte. Wenn man diese Information besitzt, dann wird das Anliegen des Theaterstückes etwas durchsichtiger, denn die Idee von weiblichen Rachegeistern zieht sich durch viele Kulturen und ist - scheinbar unabhängig voneinander - in diesen entstanden. Der Konjunktiv "Wenn … dann" ist keine zufällige Wortwahl, denn weder das Stück noch das magere Programmheft sind echte Hilfen zum Verständnis.

Die Exkursion in den Verstand des Rachgeistes führt den Zuschauer durch vier verschiedene Räume, welche ihn jeweils mit unterschiedlichen Erlebniswelten konfrontieren.

Im ersten (Warte)Raum wird die Geschichte erzählt, danach wird man von einer schwarz gekleideten Gestalt in die dunkle Welt des Wassergeistes geführt. Der zweite Raum ist in eine Art Zwischenwelt. Hier steht man dicht gedrängt zwischen Bildern und schaurigen Klängen. Wer den Film "the ring" gesehen hat, wird hier seine Bruchstücke wieder finden und sich auch ein gutes Bild der gesamten Szenerie machen können.

Der dritte Raum ist das Herz der Vorstellung. Hier begegnet der Zuschauer dem Geist in Form einer japanisch gekleideten Frau, welche durch Gesang, Tanz und Sprache eine Choreografie bildet, von der man sicher sein kann, dass sie mit viel Mühe einstudiert wurde. Die Gesangs- und Sprachqualität lassen den Rückschluss auf einen Profi zu, dennoch wirkt die Darbietung zu überladen an metaphorischen Anspielungen und lässt den Zuschauer überfordert und sprachlos zurück.

Der gelungenste Moment der Vorstellung erwartet das Publikum im letzten Raum. Hier wird, durch einen gezielten Perspektivenwechsel, ein interessantes Überraschungsmoment kreiert. Gleichzeitig zur Reminiszenz des letzten Raumes kann man auf einem Bildschirm ein sich bewegendes Wortgeflecht sehen. Dies geschieht nach dem Vorbild von Ramon Llull, einem katalanisch-spanischen Philosophen. Ähnlich Llulls "logischer Maschine" kombinieren sich Worte aus dem Leben des Rachegeistes nach einem syllogistischen Prinzip.

Die Künstler - Georg Hobmeier und "Spy Collective" - haben eine interessante Welt aus Bildern, Stimmung und Musik erschaffen. Jedoch verwehren sie Außenstehenden den Zutritt in eben diese Welt. Es drängt sich ein Verdacht auf: Vielleicht möchten sie sich gar einer konkreter dingfest zu machenden Ausssage entziehen - mit der Aufforderung "Jeder soll sich selbst eine Meinung bilden"?





A.: f@g...

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